Nach längerer Zeit wieder im Sattel zu sitzen, kann einschüchternd wirken. Doch wir alle brauchen ab und zu eine Pause, und das gilt auch für Ihr Pferd! Ob Urlaub, Ruhephase oder Verletzung: Wie Sie das Training mit Ihrem Pferd nach einer längeren Pause richtig wieder aufnehmen, ist keine exakte Wissenschaft. Wir haben dennoch einige Tipps für Sie. Lesen Sie weiter, um mehr zu erfahren.
Langsam und ruhig führt immer am schnellsten zum Ziel
Wie in jeder anderen Sportart muss auch der Wiedereinstieg in Reittraining und Turnier schrittweise und vorsichtig erfolgen. Niemand kann zum Beispiel nach einem Monat ohne Bewegung einen Marathon laufen.
Der Körper von Menschen und Pferden ist natürlich verschieden, doch beide kommen nach einer Pause aus der Form. Langsam anzufangen ist wichtig, um Verletzungen zu vermeiden, die den Prozess verzögern würden, und um das Risiko künftiger Verletzungen zu senken. Hinzu kommt der psychologische Faktor für beide Sportler im Team. Als Reiterin oder Reiter wollen Sie vielleicht ungeduldig wieder Ihr früheres Niveau erreichen und dort weitermachen, wo Sie aufgehört haben. Deshalb sollten Sie als vernünftiger Teil des Teams einen sinnvollen Plan für den Wiedereinstieg erstellen.
Der Wiedereinstieg nach einer Saisonpause oder einer Verletzung
Bei einer typischen Saisonpause oder der Genesung von einer leichten Verletzung sprechen wir von einem Pferd, das etwa zwei bis drei Monate nicht gearbeitet wurde. Wichtig zu wissen: Ein Pferd braucht ungefähr zwei Monate, um seine volle Herz-Kreislauf- und Atemleistung zu erreichen, und bis zu vier Monate, bis sich Muskeln und Skelett vollständig erholt haben.
Der erste Schritt ist, einen Plan zu erstellen und sich daran zu halten. Wurde Ihr Pferd wegen einer Verletzung nicht gearbeitet, sprechen Sie am besten mit Ihrem Tierarzt und lassen Sie sich helfen, einen individuellen Plan aufzustellen und den Verlauf je nach Art und Schwere der Verletzung zu überwachen. War die Verletzung nicht schwer und stellt Ihr Tierarzt fest, dass Ihr Pferd vollständig genesen ist, können Sie loslegen. Bleiben Sie aber unbedingt mit dem Tierarzt in Kontakt, wenn Sie das Training mit Ihrem Pferd wieder aufnehmen.
Das sollten Sie beachten
Gesundheitszustand
Lassen Sie Ihr Pferd von Ihrem Tierarzt untersuchen und stellen Sie sicher, dass es gesund und belastbar ist, bevor Sie mit der Arbeit beginnen. Auch Ihr Hufschmied spielt eine wichtige Rolle für die Belastbarkeit Ihres Pferdes. Bitten Sie ihn, die Hufe Ihres Pferdes auf ihre Unversehrtheit zu prüfen und Probleme zu beheben, bevor er sie neu beschlägt. Beginnen Sie erst mit der Arbeit, wenn Sie diese beiden Dinge erledigt haben.
Fütterung
Hat Ihr Pferd in der Pause nur Gras und Heu bekommen, warten Sie einige Wochen, bevor Sie Getreide und Ergänzungsfuttermittel dazugeben. Ist es so weit, lassen Sie sich von Ihrem Tierarzt helfen, einen Futterplan für Ihr Pferd zu erstellen, der zu Ihren Zielen, zum Trainingsstand, zu Größe, Alter, Rasse und Gewicht passt. Stellen Sie die Fütterung nicht abrupt um. Warten Sie mindestens zehn Tage, bis Sie sie ganz umgestellt haben, um Koliken vorzubeugen.
Sicherheit
Wenn Sie das Training wieder aufnehmen, denken Sie daran: Pferde vergessen weder Gutes noch Schlechtes. Ganz gleich, ob Sie das sanfteste Pferd der Welt haben oder ein eher unberechenbares: Nach einer Pause sind Pferde, vorsichtig gesagt, leicht erregbar. Es ist deshalb ratsam, einige Tage mit ihnen zu verbringen, die Bodenarbeit aufzubauen und den Kontakt neu herzustellen, bevor Sie reiten. Nehmen Sie sich Zeit, sich wieder an das Pferd zu gewöhnen. Wenn Sie zwischenzeitlich keine anderen Pferde geritten haben, machen Sie einige Übungen am Boden, dehnen Sie Muskeln und Körper und überfordern Sie sich nicht.
Verletzungen vorbeugen
Drängen Sie Ihr Pferd nicht. Beginnen Sie mit einfachen, leichten Übungen und belasten Sie die Weichteile in den ersten Trainingswochen nicht stark. Wenn Sie Ihr Pferd longieren müssen, tun Sie das mit Vorsicht. Nach einer Zeit ohne Reiten sind Pferde oft verspielt und bocken. Lassen Sie das nicht zu, vor allem nicht bei Kälte und wenn sie noch nicht aufgewärmt sind. Sie können sich dabei verletzen.
Ein Beispielplan für den Neustart
Unten finden Sie einen Beispiel-Arbeitsplan, um das Training mit einem gesunden Pferd wieder aufzunehmen, das wegen Urlaub oder einer leichten Verletzung zwei oder drei Wochen nicht gearbeitet wurde:
Erste Woche
Arbeiten Sie mit Ihrem Pferd am Boden, gewinnen Sie sein Vertrauen zurück und machen Sie einige Übungen am Halfter.
Denken Sie daran, dass Ihr Pferd nicht gearbeitet hat. Gehen Sie deshalb viel im Schritt, um die Herz-Kreislauf-Fitness wieder in Gang zu bringen. Dehnen Sie viel, um Muskeln, Sehnen und Bänder auf die kommenden Wochen vorzubereiten.
An den letzten drei Tagen dieser Woche und in der zweiten Woche longieren Sie Ihr Pferd. In der ersten Woche reiten Sie nicht. Lassen Sie das Pferd nur im Schritt gehen und, wenn Sie es für richtig halten, 15-20 Minuten traben. In der zweiten Woche lassen Sie es galoppieren und arbeiten an den Übergängen. Lassen Sie es auf sich und Ihre Hilfen achten. Es geht nicht darum, das Pferd müde zu machen, damit es Energie abbaut. Es geht darum, ihm zu helfen, sich zu konzentrieren und wieder in eine Arbeitsroutine zu finden.
Woche 2 und 3
Jetzt ist es Zeit, Ihr Pferd wieder zu reiten. Beginnen Sie langsam und gehen Sie sechs Tage lang täglich 20 bis 30 Minuten im Schritt. Traben Sie unter dem Sattel erst ab der dritten Woche.
Ab der dritten Woche gehen Sie zunächst 15 Minuten im Schritt, um das Pferd zu lösen und aufzuwärmen. Traben Sie dann 5 Minuten, am nächsten Tag 10 Minuten, jeweils mit ein paar Minuten Schritt dazwischen. Mit dieser Übung beenden Sie die zweite Woche. Setzen Sie Ihre Beine sanft ein und drängen Sie Ihr Pferd nicht.
Arbeiten Sie in diesen drei Wochen möglichst lange auf geraden Linien und großen Zirkeln (20 Meter oder größer). Reiten Sie keine engen Wendungen, um das Verletzungsrisiko zu senken. Achten Sie auf die Geschmeidigkeit und das Tempo Ihres Pferdes.
Woche 4 und 5
Jetzt können Sie die Arbeitsbelastung schrittweise steigern. Reiten Sie in der Aufwärmphase das, was Sie bisher gemacht haben, und bauen Sie immer mehr Übergänge ein. Achten Sie auf weiche Übergänge: vom Schritt zum Trab und wieder zurück zum Schritt. Arbeiten Sie mehr auf Zirkeln mit 20 Metern Durchmesser und vermeiden Sie weiterhin scharfe Wendungen. Arbeiten Sie am Takt Ihres Pferdes und bauen Sie Richtungswechsel auf der Diagonalen, quer und in Längsrichtung ein, die den gesamten Reitplatz nutzen.
Läuft alles gut, können Sie mit leichter Biegearbeit beginnen, an schwierigeren Übergängen arbeiten und die Gangarten verlängern und verkürzen. Den Durchmesser des Zirkels können Sie nach und nach um bis zu 10 Meter verkleinern. In Woche fünf können Sie auch etwas galoppieren. Beginnen Sie im leichten Sitz und vermeiden Sie harte Übergänge vom Galopp in Trab oder Schritt.
Woche 6 bis 10
Zu Beginn der sechsten Woche können Sie die Seitengänge ausbauen und Ihrem Pferd nach und nach mehr abverlangen. Denken Sie daran, dass Aufwärmen und Abkühlen immer wichtig sind, um Ihr Pferd zu schützen und Verletzungen vorzubeugen. Je nach Disziplin können Sie in der Dressur anspruchsvollere Übungen angehen und im Springreiten mit Bodenstangen und niedrigen Hindernissen arbeiten, wenn das Ihre Spezialität ist. Nehmen Sie sich Zeit und geben Sie auch Ihrem Pferd seine eigene Zeit.
Dies ist nur ein Beispielplan für den Wiedereinstieg mit einem durchschnittlichen Pferd. Niemand kennt Ihr Pferd jedoch besser als Sie und Ihr Trainer oder Ihre Trainerin. Sprechen Sie mit Ihrem Trainer oder Ihrer Trainerin, Ihrem Tierarzt und anderen Reiterinnen und Reitern, um einen Plan zu erstellen, der zu den Bedürfnissen Ihres Pferdes und zu Ihren eigenen passt. Denken Sie daran: Drängen Sie weder Ihr Pferd noch sich selbst. Lassen Sie die Dinge laufen und nutzen Sie Ihren gesunden Menschenverstand. Die Zeit vergeht so schnell, dass Sie bald wieder mit Ihrem besten Freund Turniere reiten werden.